5 Wochen Kuba per Fahrrad Teil 3

Tag 11

Unser Taxifahrer nach Viñales nach Trinidad
Unser Taxifahrer nach Viñales nach Trinidad

Wir waren ja gespannt, mit was für einem Auto der Taxifahrer namens Papo kommen würde, zumal er ja bei der Verabredung am Abend unsere beiden ziemlich großen Fahrräder gesehen hatte. Eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit fährt ein VW-Jetta vor, mit Papo und einem blond gefärbten, gelockten Kubaner mit dickem Goldring am Finger, der der eigentliche Chauffeur ist. Und es gibt gleich eine Diskussion. Angeblich sollen noch zwei weitere Fahrgäste mitfahren, wegen unserer Fahrräder und des Gepäcks würde der Platz aber nicht reichen und der Fahrpreis für uns zwei alleine höher liegen. Wir beharren darauf, dass der verabredete Preis gilt, schließlich hatte Papo ja die Fahrräder gesehen und dass wir dazu noch Gepäck haben, verstünde sich ja wohl von selbst. Am Ende lenken die beiden ein, es bleibt bei den 80 CuC, umgerechnet 57 Euro. Wir müssen sowohl Vorder- als auch Hinterräder abbauen, dazu noch meinen Gepäckträger abschrauben, damit alles einigermaßen in den halb offen bleibenden Kofferraum passt. Die vier Satteltaschen und zwei Rucksäcke werden auf der Rückbank aufgetürmt. Der bestimmt 25 Jahre alte VW-Diesel schnurrt zuverlässig über die Strecke.

Privatisierung von Staatseigentum
Privatisierung von Staatseigentum

Nach 250 Kilometern kurze Rast an einer Tankstelle. Wir wundern uns, dass unser Chauffeur dabei keine Zapfsäule ansteuert. Und dann geschieht etwas ganz Erstaunliches. Vor Verlassen der Tankstelle rollt unser VW-Jetta in den Schatten hinter einen staatlichen LKW, der ganz am Rande des Rastplatzes parkt. Unser Fahrer drückt dem LKW-Lenker etwas Geld in die Hand und in Windeseile kippen die beiden vier Kanister Diesel in den Tankstutzen des Jetta. Unser Chauffeur zwinkert uns zu, „Comprende“ – „Ihr versteht“ so viel zur Privatisierung von Staatseigentum.

Wenig später passieren wir problemlos eine Polizeikontrolle, aber dann hat der Fahrer Pech. Ein entgegenkommender Motorradpolizist hat gesehen, dass er einen Bahnübergang mit kaum reduzierter Geschwindigkeit überfahren hat. Mit herrischem Signal stoppt er uns von der Gegenfahrbahn und stellt einen saftigen Strafzettel aus. Kurz vor 17 Uhr sind wir in Trinidad, zahlen den verabredeten Fahrpreis und checken in einer Casa Particular ein.

 

Abends noch ein kurzer Stadtbummel. In der hübsch restaurierten Kolonial-Altstadt von Trinidad gibt es ziemlich viele Touristen und eine unglaubliche Anzahl von Kunstgalerien. Paul erkundigt sich immer wieder nach Preisen und will einen Wandschmuck für Zuhause mitnehmen.

 

Tag 12

Strand von Trinidad
Strand von Trinidad

 

Trinidad hat sich durch den Zuckerexport im 18. und 19. Jahrhundert zu einer sehr wohlhabenden Stadt entwickelt. Eigentlich würde man vermuten, dass der Ort direkt am Meer liegt, mit großem Hafen, irgendwie musste der Zucker ja in die Alte Welt kommen. Tatsächlich sind es etwa acht Kilometer bis zum Wasser. Einen echten Hafen scheint es nicht zu geben, dafür aber einen von Kubas schönsten Sandstränden. Wir verbringen den Tag am Meer, baden und faulenzen. Schließlich hatten wir uns, vom ersten Tag in Varadero abgesehen, fast nur im Landesinneren aufgehalten. Abends in Trinidad ersteht Paul dann tatsächlich zwei Bilder, die die nächsten drei Wochen in seiner Isomatte eingerollt mitreisen werden. Zum Abendessen in einem Restaurant gibt es dann noch Live-Musik.

 

Tag 13

vergeblich wartet der Mann das ihm die Tür geöffnet wird
Ein Hund & ein Mann warten das die Tür geöffnet wird

So richtig spektakuläre Attraktionen hat Trinidad nicht zu bieten. Die Kolonialarchitektur in der Innenstadt finden wir eindeutig überbewertet. In der Umgebung wird in westlicher Richtung ein Wasserfall angepriesen, östlich der Stadt das Valle de los Igenios mit saftig grüner Vegetation und einigen verfallenen Zuckermühlen und den dazugehörigen ebenfalls verfallenen Gutsbesitzervillen, dazu ein Aussichtsturm.

 

Der acht Kilometer lange Weg zum Wasserfall ist unspektakulär, eine schlecht asphaltierte Straße, die letzten zwei Kilometer soll es dann zu Fuß weitergehen. Für diesen kurzen Spaziergang sollen wir 9 Cuc bezahlen, umgerechnet fast die Hälfte, was ein kubanischer Arbeiter in lokalen Peso verdient. Wir verzichten dankend, finden aber auch keinen Weg, den Pförtner zu umgehen und kehren in unsere Pension zurück. Paul beschließt den Nachmittag am Strand zu verbringen, ich breche zur den Zuckermühlen im Tal östlich der Stadt auf. Es geht zunächst bergauf zu einem Aussichtspunkt mit Restaurant. Der Wärter auf dem Parkplatz verbietet mir, das Rad bis vors Restaurant zu nehmen und kassiert 1 Cuc Parkgebühr. Die Aussicht ist ganz nett, das grüne Tal sieht aber ziemlich vertrocknet aus. Ich fahre noch rund 20 Kilometer, die einzig sichtbare Ruine einer Fabrikantenvilla ist mit Stacheldraht abgesperrt. Schließlich erreiche ich den Aussichtsturm im italienischen Campanile-Stil. Mehrere Touristenbusse und zwei Dutzend Verkaufsstände, die fast alle bestickte weiße Tücher anbieten, die an Schnüren aufgehängt präsentiert werden. Rund um den Turm sieht es aus, als wäre gerade Waschtag mit dem „Weißen Riesen“ gewesen. Den Aufstieg erspare ich mir und will lieber ein ruhiges Picknickplätzchen suchen. Allerdings befinden sich rechts und links von der Hauptstraße und allen abzweigenden Feldwegen Stacheldrahtzäune.

 

Einen Ort hinter dem Touristenturm entdecke ich dann noch eine kubanische Besonderheit. Bis zum Ende von DDR und Sowjetunion wurde die Karibikinsel mit einem steten Zustrom gebrauchter Busse versorgt. Nach 1989 brach der gesamte öffentliche Verkehr weitgehend zusammen und hat sich bis heute nicht richtig erholt. Und das in einem Land, in dem es nur wenige Privatautos gibt. An nahezu jeder Straßenkreuzung auf dem Lande stehen Dutzende von Menschen, die auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Und jetzt sehe ich erstmals einen „Amarillo“, eine ganz spezielle Art von Verkehrspolizist. Er steht mit gelber Uniform inmitten der Wartenden und hält – ein bisschen wie ein Tramper – ein Schild „Pare“ in der Hand. Das heißt Stopp, jedes vorbeifahrende Fahrzeug muss anhalten, und der Amarillo sorgt dafür, dass jede LKW-Ladefläche und anderer in und auf Fahrzeugen verfügbarer Platz mit Menschen zum Fahrziel passend vollgestopft wird.

 

Paul unternimmt nach seinem Strandbesuch eine kleine Wanderung zum Funkmast auf einem Berg östlich von Trinidad und entdeckt dabei eine Diskothek, die in einer Höhle untergebracht ist – einer der Mitarbeiter ist auch gleich bereit, ihn und zwei Belgier durch das ziemlich spektakuläre Amüsiergewölbe zu führen.

 

Folglich brechen Paul und ich am späteren Abend zusammen mit zwei Abiturientinnen auf Garmisch-Partenkirchen zur Höhlendisco auf, die sich schnell füllt, zur einen Hälfte mit internationalen Trinidad-Touristen, zur anderen Hälfte mit Kubanern, die mit ihrem Rhythmusgefühl die Stimmung anheizen. Paul und die Mädels bleiben bis zum Schluss um drei Uhr – ich versuche mir die mainstream-mäßige Musik mit Salsa- Einschlag schönzutrinken, breche dieses Vorhaben aber um halb zwei wegen Erfolglosigkeit ab.

 

Tag 14

Ventile rausgedreht
Ventile rausgedreht

Wegen der vielen Mojitos vom Vorabend und des Fehlens weiterer lohnender Ziele in der Umgebung verbringen wir den Tag wieder am Beach. Um die ärgerliche Parkgebühr für die Fahrräder zu sparen, schließen wir sie an einem Verkehrsschild kurz vor dem Strandabschnitt an. Keine gute Entscheidung, als wir abends in die Stadt zurückwollen, sind drei Reifen platt und die Ventile herausgeschraubt und mitgenommen worden. Wir müssen die Räder nach Hause schieben. An einem Restaurant, gut einen Kilometer entfernt bietet man uns ein Taxi an. Seltsamerweise ist der Parkplatzwächter dort ebenfalls zu sehen. Notgedrungen zahlen wir die 8 Cuc für den Transfer, um nicht weitere 7 Kilometer laufen zu müssen. Zum Glück haben wir in unserer Pension Ersatzschläuche und damit auch ausreichend Ersatzventile. Die Endabrechnung unserer Pensionswirte fällt deutlich höher aus als erwartet, angeblich haben wir die Absprachen nicht richtig verstanden.

 

Tag 15

Da die Mitte Kubas landschaftlich ziemlich uninteressant ist, verstauen wir die Räder morgens um halb acht im Laderaum eines Viazul-Busses. Die staatlichen Reisebusse chinesischer Bauart sind für Kuba-Touristen vorgesehen, unangenehm kühl klimatisiert und verkehren als Devisenquelle ziemlich zuverlässig. 12 Stunden später sind wir in Santiago de Cuba. Die lebhafte Stadt mit mehreren 100.000 Einwohnern beeindruckt uns mit ihren steilen, ein wenig an San Francisco erinnernden engen Straßen. Nach kurzen Orientierungsproblemen erreichen wir die vorher ausgewählte Casa Particular. Tatsächlich ist ein Zimmer frei und die Pension verfügt über eine tolle Dachterrasse mit Blick weit über die Stadt. Wir finden ein staatliches Restaurant, wo wir günstig mit lokalen Pesos für passables Essen zahlen können. Noch um 22 Uhr ist es tropisch warm und feucht, 25 Grad laut Temperaturanzeige am herausgeputzten zentralen Platz vor der Kathedrale.


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