5 Wochen Kuba mit dem Fahrrad "Teil 4"

Tag 16

Offenbar lebt auf einem Balkon unterhalb unserer Unterkunft ein nachtaktiver Hahn, der ab Mitternacht immer wieder aus Leibeskräften kräht. Und die enge Straßenschlucht, beim abendlichen Einchecken in sonntäglicher Friedhofsruhe, wandelt sich ab 5 Uhr in eine von dröhnenden LKWs durchfahrene Hauptverkehrsander. Stinkende Abgase ziehen ins Zimmer. Paul schläft trotzdem wie ein Stein, ich bin morgens wie gerädert.

   

Paul hat eine rund 15 Kilometer lange Route zu einem Kastell ausgesucht, dass seit Jahrhunderten die ziemliche enge Einfahrt vom Meer zum windgeschützen Hafen von Santiago bewacht. Wir sind uns unserer Route ziemlich sicher, schauen nicht aufs Navigationssystem vom I–pad und landen in einem kleinen Ort. Das Kastell in Sichtweite strampeln wir einen steilen Pfad empor. Links ein Fußballplatz, auf dem ca. 20 junge schwarze Kubaner bolzen. Sie rufen „Amigo“, machen dann eindeutige Zeichen, dass ihnen unsere Sonnenbrillen gefallen, hektisch fahren wir den Pfad wieder herunter und verlassen den Ort. Nach vier Kilometern Rückweg entdecken wir die richtige Einfahrt zum Kastell, schauen aufs Meer und den verwaisten Strand jenseits der Hafeneinfahrt. Die kostenpflichtige Besichtigung des Burginneren sparen  wir uns.

 

Am frühen Nachmittag wieder Lunch im bereits erprobtem Restaurant, diesmal wird die teure Touristen-Speisekarte erst nach unserem Protest gegen die Version mit lokalen Peso ausgetauscht. Ich hole am Nachmittag den versäumten Nachtschaf nach, während Paul zur Moncada Kaserne marschiert und die sorgsam konservierten Einschusslöcher von Fidel Castros erstem Revolutionsversuch bestaunt.

 

Am Abend sitze ich noch auf dem zentralen  Platz vor der Kathedrale und später auf unserer traumhaften Dachterrasse der Pension, während Paul schon tief und fest schläft.

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5 Wochen Kuba per Fahrrad Teil 3

Tag 11

Unser Taxifahrer nach Viñales nach Trinidad
Unser Taxifahrer nach Viñales nach Trinidad

Wir waren ja gespannt, mit was für einem Auto der Taxifahrer namens Papo kommen würde, zumal er ja bei der Verabredung am Abend unsere beiden ziemlich großen Fahrräder gesehen hatte. Eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit fährt ein VW-Jetta vor, mit Papo und einem blond gefärbten, gelockten Kubaner mit dickem Goldring am Finger, der der eigentliche Chauffeur ist. Und es gibt gleich eine Diskussion. Angeblich sollen noch zwei weitere Fahrgäste mitfahren, wegen unserer Fahrräder und des Gepäcks würde der Platz aber nicht reichen und der Fahrpreis für uns zwei alleine höher liegen. Wir beharren darauf, dass der verabredete Preis gilt, schließlich hatte Papo ja die Fahrräder gesehen und dass wir dazu noch Gepäck haben, verstünde sich ja wohl von selbst. Am Ende lenken die beiden ein, es bleibt bei den 80 CuC, umgerechnet 57 Euro. Wir müssen sowohl Vorder- als auch Hinterräder abbauen, dazu noch meinen Gepäckträger abschrauben, damit alles einigermaßen in den halb offen bleibenden Kofferraum passt. Die vier Satteltaschen und zwei Rucksäcke werden auf der Rückbank aufgetürmt. Der bestimmt 25 Jahre alte VW-Diesel schnurrt zuverlässig über die Strecke.

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5 Wochen Kuba per Fahrrad Teil 2

Kubas Idol Che Guevara auf einem Autolicht
Che Cuevara

Jetzt geht die Radreise durch Kuba erst richtig los! 2/10

Tag 6

 

Morgens bekommen wir auf Anfrage noch einen kleinen Kaffee und verabschieden uns. Die Schwarzwirtin bittet uns, die Fahrräder so schnell wie möglich aus der Haustür zu schieben und dann rasch davonzufahren, damit möglichst niemand mitbekommt, dass wir bei ihr genächtigt haben. Da es kein Frühstück gab und wir uns heute eine Etappe von schätzungsweisen 140 Kilometern vorgenommen haben, suchen wir erstmal in Santa Cruz nach etwas Essbarem. Wir finden auch gleich einen Stand, es gibt frittierten frischen Fisch in knuspriger Panade in geröstetem Brot, für 10 Pesos Moneta national das Stück, das sind umgerechnet 30 Cent. Der Fischverkäufer steht mit Mütze und Jacke hinter seinem kleinen mobilen Verkaufswagen. Das kalte Wetter ist offenbar Tagesgespräch, „mucho frio“, stöhnt seine Kundschaft. Wir finden die Temperatur von 14 Grad morgens um 8 Uhr ganz gut für die lange Strecke, immerhin regnet es ja nicht. Tatsächlich kommen wir flott voran, der Wind bläst mal von hinten und dann wieder von der Seite, schon um halb zwölf liegen die ersten 50 Kilometer hinter uns. Mittags genehmigen wir uns in St José eine Pizza am Straßenstand. Sie hat rund 15 Zentimeter Durchmesser, ist recht lecker und kostet, zahlbar mit lokalen Pesos, wieder umgerechnet 30 Cent. Die Route ist weniger abwechslungsreich als gestern. Oft geht es auf schnurgerader Straße hügelauf und wieder hügelab. Die Abfahrten verlangen uns einiges an Konzentration ab. Schnell erreichen wir Geschwindigkeiten nahe oder über 50 Stundenkilometer und müssen höllisch aufpassen, dass wir dabei kein Schlagloch übersehen. Vorsichtigere Fahrweise und Bremsen während der Talfahrt würde uns den Schwung kosten, den wir für den folgenden Anstieg nutzen wollen. Rechts und links der Straße befinden sich steppige Wiesen mit einzelnen Palmen. Wir passieren eine kommunale Müllhalde, auf der stinkender Abfall verbrennt und uns in dichte Rauschwaden hüllt.

 

 

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5 Wochen Kuba per Fahrrad Teil 1

Auf unserer Kubareise haben wir ein Tagebuch geführt was wir nun in diesem Blog veröffentlichen möchen. Insgesamt gibt es 35 Tage zu berichten. Dies ist der erste Teil 1/10

 

 

 

Anreise in Kuba

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